Dieses Exponat war Teil der Sommerauktion vom Do, 25. Juni 2020.
Archiv: Lot 1742 zoom

1742

Erwin Wurm*

Model for telekinetic sculpture

Schätzpreis € 30.000 - 60.000

Meistbot € 51.000
(ohne Aufgeld)
  • Detailbild 1: Kat. 1742
  • Detailbild 2: Kat. 1742

Erwin Wurm*

(Bruck 1954 geb.)
Model for telekinetic sculpture, 2006
Skulptur, Mischtechnik; 50 x 34 x 113 cm
Edition: 5/8
Provenienz
Sammlung Sanziany & Palais Rasumofsky
Original-Zertifikat von Atelier Erwin Wurm liegt bei.


„So sollte meine Arbeit auch nicht belehren oder neue Konventionen schaffen, sondern diese hinterfragen.“ (Erwin Wurm in Interview mit Rainer Stadler, in Süddeutsche Zeitung Magazin, Nr. 49, 2006, S. 32)

Wenn es darum geht, altbekannte Wahrnehmungen von alltäglichen Objekten in Frage zu stellen, gibt es wohl kaum einen radikaleren Künstler als Erwin Wurm. Der Österreicher hat Häuser aufgeblasen, zusammengezogen oder auf Museen fallen, er hat Boote von Dächern rutschen lassen, er hat Menschen im Anzug übergroß und ohne Kopf dargestellt. Immer geht es dem Bildhauer um Volumen; um Zu- und Abnehmen, um Schmelzen oder eben auch um Biegen.
Für Letzteres hat er sich hier eines der ikonischsten Produkte der Konsumgesellschaft gewählt: das Auto, Symbol des Wohlstands und Fortschritts. Diesmal nähert er sich ihm auf der Ebene der Physik. Das gebogene Auto soll keinen Streit mit der Wissenschaft auslösen, es soll sich im Gegenteil davon distanzieren.
„Ich beschäftige mich immer wieder mit Philosophie, mit Wittgenstein, bei dem auch der Begriff der Raumkrümmung vorkommt. Wie kann ich sie verbildlichen, wie kann man akzeptierte Wahrheiten verkürzt und auf andere Weise darstellen?“ (Erwin Wurm im Interview mit Sabine B. Vogel, in Parnass Heft 3/2007, S. 84)
Wurm hinterfragt mit seinem telekinetischen Auto den unbedingten Glauben an die Wissenschaft. Dazu, wie er den Prototypen des Wagens, 2006 erstmals im MUMOK Wien ausgestellt, schuf, meint der Künstler:
„Der VW Bus ist von einem indischen Meister telekinetisch (per Gedanken) deformiert worden. Die Korrespondenz dazu hängt hinten im Fenster des Autos“ (Erwin Wurm im Interview mit Sabine B. Vogel, in Parnass Heft 3/2007, S. 84)
Meisterhaft benutzt Wurm den Humor, um den Betrachter zu und in sein Werk zu ziehen. Einmal davor, beginnt aber die zweite Ebene: Wie weit können wir der Wissenschaft überhaupt vertrauen? Und schon wird es weniger lustig denn bedrohlich. „Die Diktatur der festgesetzten Meinungen, die uns aufgedrängt sind, soll aufgelöst werden. Diese Auflösung von Konventionen wie die der Physik wird von vielen als Befreiung empfunden.“ (Erwin Wurm in Interview mit Rainer Stadler,in Süddeutsche Zeitung Magazin, Nr. 49, 2006, S. 32)
Wurm schreibt sich mit diesen Arbeiten in eine lange Tradition der Beschäftigung mit des Menschen liebstem Fortbewegungsmittel ein. Seit der Pop-Art wird das Auto als der Konsumfetisch schlechthin dargestellt. Künstler wie Andy Warhol, Allen Kaprow oder später Gerhard Richter und Gavin Turk legen davon Zeugnis ab.
Erwin Wurm ist einer der international erfolgreichsten österreichischen Künstler. Er ist Träger zahlreicher Preise wie etwa des österreichischen Staatspreises (2013), und nahm zweimal an der Biennale Venedig (2011 und 2017) teil. Seine Werke finden sich in der Sammlung des MOMA, im Centre Pompidou in Paris, im Städel Museum Frankfurt, sowie im MAK, MUMOK und der Albertina in Wien, um nur einige zu nennen.
(Alexandra Markl)