Dieses Exponat war Teil der Sommerauktion vom Di, 23. Juni 2020, 15:00 Uhr.
Archiv: Lot 0324 zoom

0324

Albin Egger-Lienz

"Andreas Hofer"

Schätzpreis € 100.000 - 150.000

Meistbot € 130.000
(ohne Aufgeld)
  • Detailbild 1: Kat. 0324
  • Detailbild 2: Kat. 0324

Albin Egger-Lienz

(Stribach bei Lienz 1868-1926 St. Justina bei Bozen)
"Andreas Hofer", 1894
Öl auf Leinwand; 264 x 122 cm
Signiert, bezeichnet und datiert links unten: cop. Alb. Egger nach Fr. v. Defregger / 1894
Die Basis des Bildes ist eine gemalte Schrifttafel mit folgendem Text: ANDRE HOFER OBERCOMANDANT VON TIROL 1809.
Provenienz
Gasthof Stern, Innsbruck;
Bernhard Anker (Standort: Schulhaus Ebbs), Ebbs/Tirol;
Privatbesitz, Tirol
Literatur
Wilfried Kirschl, Albin Egger Lienz. Das Gesamtwerk. Band. II, Wien 1996, S. 513, M99


Albin Egger-Lienz wurde am 29. Jänner 1868 in Stribach in der Nähe von Lienz in Osttirol geboren. Seinen ersten Malunterricht erhielt er von seinem Vater, dem Kirchenmaler Georg Egger und dem befreundeten Maler Hugo Engl. Ab 1884 studierte er an der Münchener Akademie unter Karl Raupp, Gabriel von Hackl und Wilhelm Lindenschmidt. Bis 1899 lebte und arbeitete er in München. 1899 übersiedelte Egger-Lienz mit seiner Frau nach Wien. Von 1900 bis 1910 war er Mitglied des Wiener Künstlerhauses, ab 1909 Mitglied der Wiener Secession. 1912/13 wirkte er als Professor an der Hochschule für bildende Kunst in Weimar, anschließend ließ sich der Künstler in St. Justina bei Bozen nieder, wo er am 4. November 1926 starb.

Einer der wichtigsten Künstler, der neben seinen Lehrern an der Akademie Einfluss auf den jungen Egger ausübte, war sein Tiroler Landsmann Franz von Defregger, dessen Arbeiten er bereits in seiner Jugend kennenlernte. Egger-Lienz schildert seine erste Begegnung mit dem großen Künstler in einem Aufsatz zu Defreggers 80. Geburtstag: "Meine Knaben- und Jünglingszeit fand in lauter Bewunderung in den Bildern Defreggers eine Welt, eine Anregung, ohne welche ich mich vielleicht nicht gefunden hätte. Als ich das erste Mal, als Siebzehnjähriger, Defregger in seinem Münchener Atelier besuchen durfte, hatte ich ungefähr das Gefühl, das der Katholik hat, wenn er vor dem Papste steht. Er war für mich ein Heiliger"… (Kirschl, S. 28). Zwar besuchte Egger nie die Klasse von Defregger auf der Akademie, aber es entwickelte sich eine freundschaftliche Beziehung zwischen den beiden Künstlern und der ältere kommentierte und korrigierte die Arbeiten des um 33 Jahre jüngeren immer wieder auf dessen Einladungen hin.

Um sich fortzubilden, aber auch um seine finanzielle Lage aufzubessern, begann der Student Egger, wie auch viele seiner Studienkollegen, 1888 in der Alten Pinakothek holländische und flämische Meister des 17. Jahrhunderts zu kopieren. Die hervorragende Qualität dieser Kopien brachte Egger zahlreiche Aufträge, viele auf Vermittlung von Defregger, für dessen Haus er ebenfalls Kopien nach Alten Meistern anfertigte. Darüber hinaus bestellte Defregger Repliken nach eigenen Bildern von dem jungen Kollegen und unterstützte ihn auch finanziell in seiner Frühzeit als selbständiger Künstler.

Nach Abschluss seines Studiums in München, hielt sich Egger immer wieder in seiner Heimat Osttirol auf, um dort Studien zu seinen großen Historienbildern dem „Ave nach der Schlacht am Bergisel“ (1894–1897) und „Das Kreuz“ (1898–1901) anzufertigen. Die Beschäftigung mit dem Tiroler Freiheitskampf setzte also um 1894 ein und hat seinen Anfang wohl auch in vorliegendem Gemälde. Dieses Werk markiert also den Beginn einer Auseinandersetzung mit einem für Egger-Lienz wichtigen Thema, dokumentiert aber auch gleichzeitig seine große Verehrung und Verbundenheit zu Defregger, welche ein Leben lang hielt und erst mit dessen Tod im Jahr 1921 endete. (MS)