Dieses Exponat war Teil der 130. Auktion vom Di, 3. Dezember 2019, 15:00 Uhr.
Archiv: Lot 0350 zoom

0350

Albin Egger-Lienz

Kopf eines Bauern

Schätzpreis € 120.000 - 200.000

Meistbot € 150.000
(ohne Aufgeld)
  • Detailbild 1: Kat. 0350
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Albin Egger-Lienz

(Stribach bei Lienz 1868-1926 St. Justina bei Bozen)
Kopf eines Bauern, um 1920
Öl auf Karton; 39 x 33 cm
Signiert links oben: Egger Lienz
Provenienz
Privatbesitz, Österreich
Literatur
Vgl.: Wilfried Kirschl, Albin Egger Lienz. Das Gesamtwerk. Band. II, Wien 1996, p. 553, vgl. M 427 und M 428 (Zum Kopf des Bauern I, 1918/19 und Zum Kopf des Bauern II, 1918/19)


1912 arbeitete Albin Egger-Lienz erstmals an einer modernen Interpretation des traditionellen Bildmotivs der verschiedenen Stadien des "Lebens". 1918/19 griff er das Thema unter dem Titel „Generationen“ oder „Die Familie“ noch einmal auf und bereitete sich in mehreren Porträtstudien auf die Komposition des Gemäldes vor.
Zu diesem Themenkomplex könnte auch das vorliegende Gemälde gehören, dessen seitlich nach links gewandte Kopfhaltung mit der Figur des stehenden Bauern in der großen Ausführung der „Familie“ wie mit dem Kopf des Bauern II (M428) Ähnlichkeiten aufweist. Die besondere malerische Ausführung dieses Porträts weist jedoch auf eine eigenständige Interpretation und nicht auf eine Studie hin. Eindringlich zeigt es das grundlegende Streben des Malers, allgemeingültige Formeln für den Typus eines Mannes in seiner kraftvollen Lebensmitte zu finden.
Für diese Formel wählte Egger-Lienz nicht die Expressivität von Farbe sondern genau dessen Gegenteil, eine monochrom tonale Abstufung. Vergleichbar mit einem Bildhauer modelliert der Maler mit dem Pinsel, formt mit kraftvoll aufgetragenen, kurzen Zügen, die manchmal dicht überlagern, dann wieder gezielt das Braun der Malpappe freilassen. Von dunklem Braun bis hellem Beige reichend entsteht eine bewegte Abfolge von Licht und Schatten, eine eigene lebendige Haptik, die im entschlossenen Blick der Augen einen ruhenden wie ausdrucksstarken Pol gewinnen.
In der geistigen Durchdringung des Malvorgangs wird dieses Porträt eines Bauern zu einem eindrucksvollen Symbol für die Fülle des Lebens zwischen Jugend und Alter.
(Marianne Hussl-Hörmann)