Dieses Exponat war Teil der 130. Auktion vom Di, 3. Dezember 2019, 15:00 Uhr.
Archiv: Lot 0308 zoom

0308

Oskar Kokoschka*

Stehendes Mädchen mit Krug

Schätzpreis € 35.000 - 60.000

Meistbot € 35.000
(ohne Aufgeld)
  • Detailbild 1: Kat. 0308
  • Detailbild 2: Kat. 0308

Oskar Kokoschka*

(Pöchlarn 1886-1980 Montreux)
Stehendes Mädchen mit Krug, 1922
Aquarell auf Papier; 72 x 52 cm
Signiert rechts unten: OKokoschka
Provenienz
Privatbesitz, Schweiz;
Privatbesitz, Deutschland
Literatur
Agnes Husslein-Arco und Alfred Weidinger (Hg.), Oskar Kokoschka, Träumender Knabe - Enfant terrible 1906-1922, Ausstellungskatalog Belvedere, Wien 2008, Nr. 150, Abb. S. 278
Dieses Aquarell wird von Herrn Dr. Alfred Weidinger in das in Vorbereitung befindliche Werkverzeichnis Oskar Kokoschka, Zeichnungen / Aquarelle, aufgenommen.


1911 lernte Oskar Kokoschka Alma Mahler kennen. 1914 erfolgte die Trennung und er meldete sich freiwillig für den Kriegsdienst. Er wurde 1915 schwer verwundet, war rekonvaleszent in Wien und Berlin und kommt 1917 auch nach Dresden. 1919 wird er an die dortige Akademie berufen. 1924 gab er seine Lehrtätigkeit auf und begann zu reisen. Schweiz, Italien, Frankreich. Erst 1933 kehrte er nach Wien zurück. Er emigrierte nach Prag und floh während des Zweiten Weltkrieges nach England. Danach lebte er in der Schweiz am Genfer See.
Die Zeit in Dresden, nach den traumatischen Kriegserlebnissen und der leidenschaftlichen Trennung von Alma Mahler, ist künstlerisch begleitet durch den deutschen Expressionismus. Kokoschka entwickelte eine völlig neue Bildsprache. Leuchtende Kontrastfarben, Farbblöcke ohne Kontur, Städtebilder und Menschenbilder prägen seine Arbeiten zu Beginn der 1920er Jahre. Aus dieser Zeit stammt auch das vorliegende Aquarell. Bewegungsstudien, die Positionierung im Bildraum, Haltung, Schnelligkeit - all das waren Themen seiner Lehrtätigkeit. Die Aquarelle aus dieser Zeit vereinen intensive Farbigkeit und Impulsivität in der Umsetzung. Kokoschka verzichtet völlig auf die Linie, die Kontur. Wenige Farbflächen, bewusst positioniert, ergeben eine Momentaufnahme von beeindruckender Dynamik. Figur, Hintergrund, Krug - ein suggestiver Raum entsteht durch helle und dunkle mit breitem Pinsel zusammengesetzte Flächen. Spontan, schnell, ohne jede Korrekturmöglichkeit. In der Verbindung zwischen Auge und Umsetzung auf Papier zeigt sich Kokoschkas herausragendes Talent und seine eigenständige und unvergleichliche künstlerische Praxis. Er war ein Meister des Sehens.
1922 sind aktuelle Arbeiten von Kokoschka im deutschen Beitrag zur XIII. Biennale von Venedig zu sehen - mit großem internationalen Erfolg. Die Werke aus der Zeit in Dresden sind in ihrer Unmittelbarkeit und Farbigkeit von einer erfrischenden und mutigen künstlerischen Freiheit.
(Christa Armann)