Dieses Exponat war Teil der 130. Auktion vom Di, 3. Dezember 2019, 15:00 Uhr.
Archiv: Lot 0320 zoom

0320

Eduard Kasparides

Das Urteil des Paris

Schätzpreis € 20.000 - 30.000

Meistbot € 16.000
(ohne Aufgeld)
  • Detailbild 1: Kat. 0320
  • Detailbild 2: Kat. 0320
  • Detailbild 3: Kat. 0320

Eduard Kasparides

(Krönau 1858-1926 Gleichenberg)
Das Urteil des Paris, 1897
Öl auf Leinwand; 151 x 200,5 cm
Signiert und datiert rechts unten: Ed. Kasparides / 97
Rückseitig Künstlerhaus-Etikett: 1897/2528 (von Mag. Paul Rachler, Künstlerhaus Archiv Wien, bestätigt)
Provenienz
österreichischer Privatbesitz
Wir danken Frau Dr. Karin Zeleny, Wien, für die freundliche Unterstützung.


Eduard Kasparides, vor allem für seine stimmungsvollen Landschaftsdarstellungen bekannt, greift in diesem großformatigen Gemälde ein überaus beliebtes Sujet der griechischen Mythologie – das Urteil des Paris – auf.
Im Gegensatz zu dem wesentlich häufiger dargestellten Moment, in dem der trojanische Königssohn Paris gerade im Begriff ist, sein Urteil zu fällen, hat dieser in Kasparides Szene seine Wahl bereits getroffen. Zur linken Seite sind die drei Göttinnen Hera, Athene und Aphrodite, mit dem Erisapfel beschenkt und somit zur schönsten Göttin erkoren, zu sehen. Ins Zentrum des Bildes gerückt, hält Aphrodite dem Betrachter triumphierend den Apfel der Zwietracht entgegen. Rechts fällt der Blick auf eine Mutter mit Kind – Paris‘ erste Frau Oinone, eine Bergnymphe, mit der der Jüngling als Hirtenpaar lebt und die ihm einen Sohn namens Korythos schenkte.

Kasparides schildert somit den Moment nach jener schicksalhaften Entscheidung, ohne jedoch die Figur des Paris in die dargestellte Szene miteinzubeziehen: Im Mittelpunkt steht Aphrodite, die den Königssohn mit ihrem Versprechen, ihm die schönste Frau auf Erden, Helena, zu schenken, gelockt hatte und so die Wahl – vor Macht und Weisheit, die Hera und Athene boten – für sich entscheiden konnte. Über den in ihrer Hand liegenden Apfel wird der Blick des Betrachters auf Korythos und Oinone gelenkt – Paris‘ Familie, die er letztlich für die ihm versprochene Helena zurücklassen wird. Der ahnungsvolle Blick des Kindes scheint auf jenes dadurch vorbestimmte Unglück zu verweisen, das folgen wird: Zum einen wird sich Korythos als Erwachsener ebenfalls in Helena verlieben und von seinem eifersüchtigen Vater, der seinen eigenen Sohn nicht erkennt, erschlagen. Zum anderen wird Paris durch den Raub der ihm versprochenen Helena den Trojanischen Krieg heraufbeschwören.

Kasparides Darstellung dieser Episode aus der griechischen Mythologie scheint in Erinnerung rufen zu wollen, dass Paris das folgende Unheil hätte abwenden können, hätte er sich für seine Familie und gegen die Göttinnen entschieden – wäre seine Entscheidung nicht bereits durch das Schicksal vorherbestimmt gewesen.
(Barbara Berger)