Dieses Exponat war Teil der 130. Auktion vom Di, 3. Dezember 2019, 15:00 Uhr.
Archiv: Lot 0316 zoom

0316

Gerhild Diesner*

Blumen in Vase

Schätzpreis € 10.000 - 18.000

Meistbot € 8.500
(ohne Aufgeld)
  • Detailbild 1: Kat. 0316
  • Detailbild 2: Kat. 0316

Gerhild Diesner*

(Innsbruck 1915-1995 Innsbruck)
Blumen in Vase, 1969
Öl auf Leinwand; 56 x 40 cm
Datiert und signiert rechts unten: 69 Diesner
Provenienz
Privatbesitz, Tirol


Gerhild Diesners künstlerisches Schaffen zeichnet sich durch eine eigenwillige Rezeption der französischen Moderne aus. Innerhalb der österreichischen Kunst steht ihr Œuvre als Bindeglied zwischen der expressiven Tradition und der abstrakten Avantgarde. Das 1969 enstandene Blumenstilleben zeigt die Vorliebe der Malerin für leuchtende, oft grelle Farben, raffinierte Komplementärkontraste und Formen, die auf das Wesentliche reduziert sind.

Gerhild Diesner wurde am 4. August 1915 in Innsbruck geboren. Sie besuchte zunächst die Fachschule für Damenkleidung und begann ihren künstlerischen Werdegang erst mit zwanzig Jahren. 1935 bis 1937 lebte sie in England, besuchte dort zunächst die Chelsea Art School und dann die School of Art in Brighton. 1937 zog sie nach München, um an der Akademie für angewandte Kunst in der Abteilung Gebrauchsgraphik zu studieren. In den Münchner Museen fand ihre erste intensive Auseinandersetzung mit der französischen Kunst statt.
Trotz der unruhigen Kriegszeiten gelang es ihr 1943, ein Studium in Paris an der Académie André Lhote und an der École de la Grande Chaumière bewilligt zu bekommen. Die französische Moderne wurde für ihre Kunst zur wesentlichen Inspirationsquelle. Auch wenn eine Affinität zum Fauvismus von Henri Matisse und zu anderen großen Vorbildern wie Vincent van Gogh oder Paul Gauguin in ihren Werken deutlich erkennbar bleibt, kristallisierte sich bald ihre eigenständige Handschrift heraus.
In den Jahren nach dem Krieg erfuhr Diesners Schaffen ihren künstlerischen Höhepunkt. Sie konnte ihre Position innerhalb des Tiroler Kunstbetriebs festigen und ihre Werke auch auf Ausstellungen in Wien, etwa im "Art Club", präsentieren. Sensationell war die Beteiligung an der Biennale für Frauen in Bozen, wo ihre Bilder neben jenen von Sonja Delaunay gezeigt wurden. Nach ihrer Scheidung von Bodo Kampmann 1953 zog sie sich gesellschaftlich zurück und ihre Ausstellungsbeteiligungen wurden geringer. Zunehmend konzentrierte sie ihre beruflichen Aktivitäten auf Tirol. Auch im langen Werkabschnitt bis zu ihrem Lebensende 1995 blieb sie künstlerisch äußerst produktiv und hinterließ zahlreiche Bilder, die in ihrer lyrischen Suggestivkraft unverwechselbar bleiben.
(Claudia Mörth-Gasser)