Dieses Exponat war Teil der 130. Auktion vom Di, 3. Dezember 2019, 15:00 Uhr.
Archiv: Lot 0771 zoom

0771

Gunter Damisch*

Blaufeldweltenflimmerflämmer

Schätzpreis € 22.000 - 35.000

Meistbot € 32.000
(ohne Aufgeld)
  • Detailbild 1: Kat. 0771
  • Detailbild 2: Kat. 0771

Gunter Damisch*

(Steyr 1958-2016 Wien)
Blaufeldweltenflimmerflämmer, 2006
Öl auf Leinwand; ungerahmt; 200 x 251 cm
Rückseitig zweifach signiert: G Damisch
Provenienz
Sammlung Sanziany & Palais Rasumofsky


Damisch erzählt in seinen charakteristischen Bildern keine Geschichten, wohl aber kreiert er Welten oder auch „kosmische Bildräume“ (Wolfgang Drechsler, Kontinuität und Wandel. Zur Malerei von Gunter Damisch, in: Gunter Damisch, Aus dem Weltengarten, Ausstellungskatalog, Linz/Emden 1999, S. 15) , die sich, fern der unsrigen Welt, über die Bildränder in die Unendlichkeit ausbreiten, bevölkert von geißeltier-artigen, vielfüßigen Wesen, die sich mal geballt zu dichten Haufen, mal explosionsartig auseinanderstiebend über die Bildflächen verteilen und den Eindruck dauerhafter Bewegung, man möchte sagen „Gewusels und Geflimmers“ vermitteln. Oder sind die Farbknäuel und -haufen die da scheinbar durch den Raum schweben selbst die Welten? Bildtitel wie „Nächtliche Blasensteher“, „Flämmler des Flimmerns“ oder „Blaufeldweltenflimmerflämmer“ widersprechen der Idee der vollständigen Abstraktion die sonst vielleicht aufkommen könnte und suggerieren Leben und Bewegung. Damisch verwendet leuchtende, kontrastierende Farben die er so stark pastos aufträgt, dass die Formen quasi aus der Leinwand in die Dreidimensionalität hinauswachsen: „Die dick aufgetragene Farbe wird zur fassbaren Mal-Materie, manchmal sogar klumpig, eine fast erdige Oberfläche. Hier und dort ist die Farbe dicht geballt, ein angedeuteter Lebensraum mit einer Besiedelung. Hier „leben“ merkwürdige Wesen, die aus einem amorphen Körper bestehen.“ (Sabine B. Vogel, Abstraktes Erzählen – Gunter Damischs Malerei und Raumarbeiten, in: Gunter Damisch. Teile vom Ganzen. Sammlung Würth und Leihgaben, Ausstellungskatalog, Sammlung Würth, Künzelsau 2012/13, S. 11)
Das Moment der Bewegung wird durch zahlreiche Überschneidungen sowohl innerhalb des Bildes als auch durch die Bildränder verstärkt, die fadenartigen Formen wirken wie Kondensstreifen der flirrenden Wesen oder die Lichtschweife von Sternschnuppen. „Jede Schöpfung ist ein Kampf mit der Leere, und die Bildschöpfung macht das besonders anschaulich. Der Künstler nimmt die Auseinandersetzung mit der Leere um uns und der Leere in uns auf sich, um nicht untergehen, um nicht von ihr verschlungen zu werden. Dem Nichts gilt es etwas entgegenzusetzen, es Schritt für Schritt zurückzudrängen. Das Weiße Blatt auf dem Tisch – für den Zeichner wie für den Schreiber -, die leere Leinwand auf der Staffelei für den Maler – welch ungeheure Herausforderung, welch ein einschüchterndes Gegenüber! Es scheint jedes Mal ein Wunder davor nicht zu verzagen.“ (Wieland Schmidt, Mikroskopische Gärten - Über die Bilder und Plastiken von Gunter Damisch,
zur Ausstellung Galerie Marie-José van de Loo „Weltendichte“, München 2003, in: www.gunter-damisch.at, Abruf am 14.10.2019) (Ina Waldstein)