Dieses Exponat war Teil der 128. Auktion vom Mo, 17. Juni 2019, 14:00 Uhr.
Archiv: Lot 0737 zoom

0737

Hans Bischoffshausen*

o.T.

Schätzpreis € 20.000 - 30.000

Meistbot € 35.000
(ohne Aufgeld)
  • Detailbild 1: Kat. 0737
  • Detailbild 2: Kat. 0737

Hans Bischoffshausen*

(Feld am See/Kärnten 1927-1987 Villach)
o.T., 1972
PVC, Lack auf Holzplatte (Pressspanplatte); 30 x 30 cm
Rückseitig signiert, datiert und mit persönlicher Widmung versehen: Bischoffshausen 1972 / III Wien
Provenienz
direkt vom Künstler erhalten;
seither österreichischer Privatbesitz


Kraftvolle Linien, die nach außen streben, nach oben und unten, zu allen Seiten, aber auch hin zur Mitte, wo sie sich eng zusammendrängen, wo die Schatten dichter werden. Sie bilden eine klare Struktur und trotzdem ist sie wandelbar, stets im Prozess der Veränderung begriffen, da sich die Form doch mit dem Lichteinfall wandelt.
Die Linien, tiefen Kratern im Material gleich, strahlen in einem satten Gold, legen Assoziationen mit Himmelskörpern nahe. Obwohl, im Gegensatz zu den monochromen weißen und schwarzen Bildern, Gold selbst nicht Teil des Farbkreises ist und Bischoffshausen diesem durchaus eine positive Strahlkraft attestiert (vgl. Arnulf Rohsmann in: Bischoffshausen. Struktur-Monochromie-Reduktion, Klagenfurt, 1991, S. 92) und sich damit von den Naturwissenschaften entfernt und sich der Esoterik und dem Zen annähert, lehnt der Künstler grundsätzlich einen Symbolgehalt der Farben ab.

Denn das Gold soll nicht als Symbol stellvertretend für etwas stehen, sondern ist es selbst. Um Saussure zu bemühen: So bezeichnet das Gold nicht etwas anderes, ist also lediglich ein Zeichen, sondern ist selbst das Bezeichnete. Denn das Gold reinigt den Bildraum, macht es möglich, sich auf die Struktur zu konzentrieren und auf das Spiel von Licht und Schatten, die dem Werk einen zeitlichen Charakter verleihen, zu achten. (vgl. Arnulf Rohsmann in: Bischoffshausen. Struktur-Monochromie-Reduktion, Klagenfurt, 1991, S. 81) So ist das Bild zur selben Zeit materiell und immateriell geschaffen.
Mit den monochromen Bildern, die Bischoffshausen ab den 60er-Jahren schuf, setzt der Künstler die Emanzipation von Formen und Zeichen weiter fort, die er mit den Jute-Bildern und den Fossilen Strukturen begann. Gleichzeitig reiht er sich mit seinen Überlegungen ein in Künstlergruppierungen wie NUL und ZERO. Zudem lassen sich ähnliche Gedankenkonstrukte zu Monochromie, dem Prozesscharakter von Werken und dem Symbolcharakter von Farben unter anderem bei Kasimir Malewitsch, Lucio Fontana und Paul Klee finden.

Mit seinen monochromen Bildern reiht Bischoffshausen sich in eine die Künstler dieser Zeit beherrschende Gedankenwelt ein und geht mit den gestellten Fragen und Problemen auf seine ganz eigene Weise um. Er stellt das Material in den Fokus und versucht so, die Wahrnehmung des Betrachters zu sensibilisieren, das Auge zu öffnen, um das Licht als mitschaffende Kraft zu untersuchen – gerade bei den in Gold lackierten Werken eine Besonderheit, da durch die Spritzlichter die Formen zusätzlich in Bewegung geraten. (Valerie Gaber)